Vorsorge & Medizin

Der Körper-TÜV: Diese Untersuchungen stehen dir als Schichtarbeiter zu

Ein Arzt misst den Blutdruck bei einem Patienten, auf dem Tisch liegt ein Kalender

Dein Auto muss alle zwei Jahre zum TÜV. Dein Körper leistet im Schichtdienst deutlich mehr als jeder Motor, wird aber oft vernachlässigt. Viele wissen gar nicht, dass sie ein gesetzliches Recht auf spezielle medizinische Checks haben – kostenlos und während der Arbeitszeit.

Schichtarbeit ist Hochleistungssport für den Organismus. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Magen-Darm-Probleme ist statistisch erhöht. Die gute Nachricht: Wer Probleme früh erkennt, kann gegensteuern, bevor sie chronisch werden. Hier erfährst du, was der "Betriebsarzt" wirklich macht (nein, er petzt nicht beim Chef!) und welche Werte du im Blick behalten musst.

⚖️ Dein Recht laut § 6 Arbeitszeitgesetz

Nachtarbeitnehmer haben das Recht, sich vor Beginn der Beschäftigung und danach in regelmäßigen Abständen (alle 3 Jahre, ab 50 jedes Jahr) arbeitsmedizinisch untersuchen zu lassen. Die Kosten trägt der Arbeitgeber.

1. Der Termin beim Betriebsarzt: Pflicht oder Kür?

Viele haben Angst, zum Betriebsarzt zu gehen, weil sie fürchten, "untauglich" geschrieben zu werden und den Job zu verlieren.

Fakt ist: Der Betriebsarzt unterliegt der Schweigepflicht – auch gegenüber deinem Arbeitgeber. Er darf dem Chef nur mitteilen, ob du "tauglich", "bedingt tauglich" oder "untauglich" für die Nachtschicht bist, aber nicht warum (keine Diagnosen).

Nutze diese Termine! Der Arzt kann dich beraten, ob z.B. bestimmte Medikamente, die du nimmst, sich nicht mit der Nachtschicht vertragen (z.B. Insulin bei Diabetikern).

2. Die "Großen 3": Das musst du privat checken lassen

Neben dem Betriebsarzt solltest du bei deinem Hausarzt einmal im Jahr ein "großes Blutbild" machen lassen. Achte speziell auf diese Werte, die bei Schichtarbeitern oft entgleisen:

  • Vitamin D: Wer tagsüber schläft, sieht weniger Sonne. Ein Mangel macht müde, depressiv und anfällig für Infekte. Fast jeder Nachtschichtler muss im Winter supplementieren (bitte erst testen, dann schlucken!).
  • Blutdruck & Herzfrequenz: Der Schlafmangel hält den Cortisolspiegel hoch, was den Blutdruck treibt. Ein 24-Stunden-Blutdruckmessgerät (gibt's beim Arzt) zeigt, ob dein Blutdruck auch im Schlaf sinkt (Dipper) oder oben bleibt (Non-Dipper) – letzteres ist typisch für Stress.
  • Schilddrüse (TSH): Schichtarbeit bringt die Hormone durcheinander. Gewichtszunahme liegt oft nicht nur am Essen, sondern an einer trägen Schilddrüse.

3. Termin-Logistik: Wann zum Arzt?

Ein klassischer Fehler: Morgens um 08:00 Uhr direkt nach der Nachtschicht zum Blutabnehmen gehen.

Warum das falsch ist: Deine Blutwerte sind nach einer durchwachten Nacht verfälscht (Stresshormone hoch, Entzündungswerte verändert). Außerdem bist du im Straßenverkehr eine Gefahr.

Besser: Lege Arzttermine auf deine freien Tage oder an den Anfang einer Spätschicht-Woche. Nutze deinen SchichtPlaner, um solche "grünen Zeitfenster" Monate im Voraus zu identifizieren und Termine zu blocken.

4. Dokumentation: Dein Körper vergisst nichts

Solltest du später einmal gesundheitliche Probleme bekommen und früher in Rente wollen oder eine Berufskrankheit geltend machen, bist du in der Beweispflicht. Du musst oft nachweisen, wie viele Jahre du im Wechselschichtdienst warst.

📱 Daten retten Rente

Verlasse dich nicht darauf, dass dein Arbeitgeber die Dienstpläne von vor 10 Jahren noch hat. Speichere deine Schichtdaten langfristig in deiner App. Ein lückenloses Protokoll über Jahre ist bares Geld wert, wenn es um Altersfreizeit oder Zusatzrenten geht.

5. Warnsignale: Wann du sofort handeln musst

Es gibt "normale Müdigkeit" und es gibt Warnzeichen, dass dein Körper das Schichtsystem nicht mehr toleriert. Gehe zum Arzt bei:

  • Schlafstörungen, die auch im Urlaub nach 2 Wochen nicht weggehen.
  • Chronischen Magenbeschwerden (Gastritis, Sodbrennen).
  • Herzstolpern in Ruhephasen.

In diesen Fällen hast du laut § 6 Abs. 4 ArbZG unter Umständen sogar das Recht auf Versetzung in den Tagdienst!

Fazit: Wartung statt Reparatur

Warte nicht, bis die rote Lampe leuchtet. Schichtarbeit ist machbar, aber nur, wenn du deinen Körper gut wartest. Die Vorsorgeuntersuchungen sind dein kostenloses Frühwarnsystem. Nutze sie.